Solidarität mit dem kurdischen Verteidigungskampf!

Wir rufen gemeinsam mit der Liste undogmatischer StudentInnen (LUST), Refugees Welcome Bonn und der Gruppe Phoenix zur Teilnahme an der Kundgebung vor der Außenstelle der Botschaft von Katar in Bonn am kommenden Freitag, 24. Oktober um 14 Uhr auf.

Näheres zu der Kundgebung sowie den Kurz-Aufruf findet ihr auf der Seite der Facebook-Veranstaltung. Den längeren Aufruf dokumentieren wir im Folgenden.

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Antisemitismus als Krisenlösung

An dieser Stelle dokumentieren wir den Flyer, welchen wir bei den Protesten gegen die Einheitsfeierlichkeiten verteilt haben:

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands erlebte das volksgemeinschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl ein hoch wie zuletzt 1933. Die Folge war eine deutsch-nationale Pogromstimmung im gesamten Bundesgebiet.

Doch der nationale Taumel hielt zum Glück nicht an. Er wisch der Einrichtung in den Verhältnissen. Was blieb war das Gefühl vieler Deutscher irgendetwas würde fehlen, irgendwie war alles nicht so wie sie es sich erträumt hatten. Ein diffuses Unwohlsein in der bürgerlichen Demokratie machte sich wieder breit. Dunkel hatte es der eine oder die andere noch in Erinnerung: es war nicht IHR System, welches sie wirklich frei gewählt hatten. Genau wie in der Weimarer Republik hatten fremde Mächte die herrschende Ordnung bestimmt – gleich ob sie oder er in der alten BRD oder der DDR gelebt hatte. Nun, da auch noch der Kommunismus, weil scheinbar überwunden, als Feindbild nichts mehr taugte, wurde dieses Gefühl immer stärker, denn das versprochene Glück und der Wohlstand für alle blieb aus. Temporäre Befriedigung verschafften höchstens noch Fußballweltmeisterschaften bei denen – zumindest zeitweilig – nichts anderes mehr zählte als deutsch zu sein. Gerade mit dem Beginn der Krise wurde die falsche Wärme der Volksgemeinschaft immer wichtiger.

Als die „Immobilienblase“ platzte, offenbarte sich dem gemeinen Deutschen, was er schon lange ahnte. Ein Haufen Spekulanten bereichere sich auf Kosten der „einfachen“ Leute. Die Schuldigen waren schnell gefunden: Banken, transnationale Konzerne, Lobbyisten – kurz: alles, was ihm als abstrakt, unnatürlich und nicht greifbar schien. Dieses Abstrakte halluzinierte er zu einer weltumspannenden Verschwörung, welche gegen die als natürlich und als urwüchsig betrachteten Völker im Gange sei.

Der Protest gegen das Abstrakte formierte sich auf den Straßen in Form der Occupy Bewegung, wobei sich die Deutschen diese Art des Widerstands von den einzigen, als anständig wahrgenommenen Amerikanern abschauten – der Slogan von den 99% gegen das eine, glücklicherweise nicht näher definierte Prozent, kam ihnen dabei mehr als entgegen.

Trotz der Anschlussfähigkeit des analytischen Irrsinns dieser Kriseninterpretation für unterschiedlichste Ausprägungen verkürzter (oder eher: falscher) Kapitalismuskritik, blieb das Mobilisierungspotential zum Glück gering.

Nach dem Scheitern von Occupy und der scheinbaren Stabilisierung der Finanzmärkte wurde durch den Ukraine-Konflikt die Angst um den Verlust der Volkssouveränität erneut erweckt. In Hoffnung auf einen neuen deutschen Aufstand rottete man sich wieder Montags zusammen und benannte in endlosen wirren Reden die wahren Feinde des Volkes: der Westen, die Kapitalisten, die Medien und alles was sonst noch als volkszersetzend definiert wurde. Der diesen Bildern innewohnende Antisemitismus wurde durch die pauschale Forderung nach Frieden rationalisiert, wobei alles was als nicht friedlich gilt, in der Ideologie des Antisemitismus mit dem Jüdischen assoziierbar ist.

Kurze Zeit später reagierte Israel auf den Raketenbeschuss der Palästinenser. Aus Sicht der antisemitischen Friedensideologen ließen die Juden damit ihre Maske fallen und zeigten ihr wahres bösartiges Gesicht. Nun sah der antisemitische Mob seine Zeit gekommen, um auch in Europa endlich gewalttätig gegen die Juden loszuschlagen. Dieser setzte sich zusammen aus Linken, Rechten und Islamisten – eben aus allen die sich in ihrer Existenz und Identität bedroht wähnten.

Aus dem abstrakten Feindbild kristallisiert sich an diesem Punkt das konkrete, einigende in Form des israelischen Staates heraus.

In diesem Mob kam zusammen, was zusammengehört; die Gemeinsamkeiten der augenscheinlich verschiedenen Ideologien war bereits vorher absehbar:

Wer profitiert also am meisten davon, diesen Krieg und dieses Blutvergießen voranzutreiben? Natürlich die Kriegsgewinnler, die Blutsauger, die hinter der Bühne die Fäden der Weltpolitik in den Händen halten. Präsident Bush und andere Regierungsvorsitzende, die großen Medienkonzerne, die Vereinten Nationen, die zwischen den militärischen Führern und der mächtigen Generalversammlung ihre Gesetze erlassen – sie alle sind nur Agenten der Täuschung und der Ausbeutung. Diese und andere Gruppen sind eine tödliche Gefahr für die gesamte Welt, die gefährlichste und komplexeste ist die Lobby der Zionisten.“

Dieses Zitat stammt nicht etwa von altlinken Antiimperialisten, Neonazis oder neurechten Friedensideologen, sondern von einer Person, die schon lange vorher die mörderische Friedensmission in die Tat umsetzen ließ, Osama Bin Laden.

Wie bei der deutschen Ideologie treibt es die Anhänger des Islamismus zur sinnstiftenden kollektiven Einheit; statt Volksgemeinschaft ist es hier die Umma, die imaginierte Gesamtheit aller Muslime. Sie gilt als natürlich und permanent von der abstrakten Realität bedroht. Auch hier wird alles als abstrakt, künstlich und zersetzend geltendes mit den Juden assoziiert und auch wesentlich offener als bei den Deutschen artikuliert, da es keine unterdrückten Schuldgefühle wegen der Shoa gibt. Mit dem Teils eliminatorischem Antisemitismus sprechen die Islamisten den Deutschen aus der Seele und so findet wieder zusammen, was 1945 durch die deutsche Niederlage getrennt wurde – nationalsozialistische bzw. heute postnazistische und islamistische Ideologie.

Da das System nicht darauf abzielt mündige Individuen hervor zu bringen, bleiben solche Ideologien notwendigerweise bestehen und erleben in Zeiten der Krise eine Renaissance. Wenn der Einzelne sich von Isolation bedroht sieht, greift er zu antisemitischen Erklärungsmustern und die Masse der Vereinzelten rückt zusammen – ganz gleich ob nun zur Volksgemeinschaft oder zur Umma. Und so ruft die Gemeinschaft zum Kampf gegen Banken, Konzerne, Heuschreckenkapitalisten, Zionisten – letztlich die Juden auf.

Eine logische Konsequenz sollte die Solidarität mit allen Betroffenen dieser reaktionären Ideologien sein, also Juden, als jüdisch identifizierte Menschen, Kurden, Muslime, die sich nicht in die Umma fügen wollen und als Abweichler verfolgt werden, und der Staat Israel.